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Kräuter Deko

H. Kant: "Der dritte Nagel"

Sonnabend, 18. Mai 2019, 19 Uhr
"Der dritte Nagel" von Hermann Kant. Kulinarische Lesung.

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Die oft brüllend komische Geschichte aus dem Jahr 1981 erzählt von einem Mann, der vom besten Brötchenbäcker der Stadt bevorzugt versorgt werden will, was den Autor zu nichtalltäglicher Spottlust und Sprachartistik verführt. Farßmann entdeckte nämlich im rückwärtigen Verkaufsraum zwei Nägel, an denen wohlgefüllte Leinenbeutel hängen. Und eines Tages wird er Zeuge, wie ein Kunde einen davon überreicht bekommt. Auf Nachfrage wie dieser Kunde zu diesem Privileg kam, deutete die Bäckersfrau nur an, dass es ja viele Dinge nur sehr selten oder nur über Beziehungen gäbe. Farßmann muss eine ganze Kette von Beziehungen spielen lassen, neue anbahnen um anderen Leuten schwer erhältliche Dinge zu besorgen...

Gerhard Holtz-Baumert schrieb dazu 1985:
"Armer Herr Farßmann! - Wieso denn der arme? Als aufgeklärter Mensch, studierter Buchhalter und Politökonom hätte er doch ahnen müssen, daß die Sache keinen Gewinn erbringen kann. Vielleicht weiß er als Atheist nichts von jenem frühesten Tauschhandel zwischen Esau und Jakob: Jakob, der gute Koch, bereitete eine wunderbare rote Linsensuppe, und als Esau sie haben wollte, verlangte Jakob, da Esau nichts anderes bieten konnte, das Erstgeburtsrecht vom älteren Bruder. Esau, unbesonnen und leckerisch, gab es weg, löffelte die Suppe und verlor alles. Nicht Brötchen, sondern Linsen, lieber Farßmann!
Gut, Farßmann kennt sich im Ersten Buch Mose nicht aus. Aber es hätte ihn die Erinnerung an seine Schulzeit warnen müssen, da man den Faust durchnahm; Jungfarßmann mit Desinteresse, weil er mehr an Mathematik hing. ...

Und dass es ein Nagel ist, dieser Handwerks-Archetypus, weder Plastedübel noch Kleincomputer, vielmehr ein Rückgriff ins Eisenalter, in die Urzeit, hätte Farßmann stutzig machen müssen. Wie es nicht um Kaviar geht, um Eclairs oder Baiser, sondern ausgerechnet um Brötchen, Grundnahrung und erotisches Kernsymbol. Ja, Farßmann ist frisch geschieden und verprellt; gewisse Dinge sind ihm dennoch nicht fremd…

Forschte Herr Farßmann in seinem Gedächtnis, er würde sich in ähnlicher Situation schon einmal sehen: als Kind ... voller Sehnsucht nach dem Besitz eines zerfledderten Karl-May-Bandes. Auf dem Wege dahin Lackbilder und Vaters entwendete Flachzange gegen Briefmarken tauschend und diese gegen einen grauen, mehrfach geflickten Fußball; doch der Wunsch, diesen endlich gegen das begehrte Buch einzuwechseln, ging nicht auf ... Wer hat nicht ebenso kühne wie sinnlose Transaktionen in der Kindheit vollzogen?

Buchhalter Farßmann, sich bildend, ist außerdem Zeitungsleser. Dann kennt er die Annoncen, seitenlang, das kostbare Papier verprassend: Biete rustikale Kreissäge suche handgeschmiedeten Blumenständer und Schaukelpferd; Opel P 4 gegen zwanzig Jahrgänge der Zeitschrift Magazin inclus. Aktfotos; Ölgemälde, echt, mit Goldrahmen, Alpenglühen gegen Höhensonne, Import oder Paddelboot … Glauben Sie denn, lieber Farßmann, diese Tauschgebote wären aus Notwendigkeit oder gar aus Not aufgegeben? Nein, im Grunde wissen es alle, wie Farßmann es wußte, daß man sich fröhlich betrügt, wenn man sich in einen Ringtausch begibt man beachte die Wortschöpfung, die wiederum mythisch klingt...

Es scheint, wir werden dem Zeitgenossen und Buchhalter Farßmann noch mehrmals begegnen."

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